Wolfgang Hänsch Architekt der Dresdner Moderne

Gedenktafel an der Semperoper

Hänsch16Anläßlich seines fünften Todestages am 16. September wurde zu Ehren des Architekten der Dresdner Nachkriegsmoderne, Wolfgang Hänsch (1929-2013), ein Bronzerelief an der Freitreppe vom Opernhaus zur Spielstätte „Semper Zwei“ feierlich eingeweiht.

veröffentlicht in Sächsische Immobilienzeitung 4/2018, Seite 2

Es befremdete, dass an der Ehrung des Architekten kein offizieller Vertreter der Stadt Dresden teilgenommen hatte. Inzwischen ist beabsichtigt, laut Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch, in Würdigung des Architekten ein Hänsch-Stipendium "Moderne, Sehen. Verstehen." für Schüler ab der fünften Klasse aufzulegen. 27.9.2018
 

Ehrung des Wiederaufbau-Architekten der Stadt Dresden

      Die Witwe des Architekten, Regine Hänsch mit Alf Furkert, Präsident der Architektenkammer Sachsen, enthüllten am Sonntag 16. September 2018 die Gedenktafel. Der Weggefährte und mitmaßgebliche Initiator der Würdigung, TUD-Professor Manfred Zumpe, hielt die Ehrenrede zu Hänschs Lebenswerk, das fast ausschließlich mit Dresden verbunden ist und dessen Bauten das Wiederentstehen der schönen Elbe-Stadt maßgeblich prägt. International Aufsehen erregten die Kulturbauten des Dresdner Kulturpalasts (1969) und der Semperoper Dresden. Deren Wiederaufbau (1985) zur nun Dritten nach dem Erstbau von Semper, mit neuen funktionalen Anbauten in kraftvoller Formensprache der 80er Jahre, Hänsch als Chefarchitekt verantwortete. Die typologische Vielfalt seiner Projekte reicht von Bürohochhaus „Haus der Presse“ (1966) zur Ladenstraße „Webergasse“ über ensemblehaften Wohnbau an der Blochmannstraße und Wohnbauten mit Geschäftshäusern Borsbergstraße (1956) – noch heute eine belebte Einkaufsmeile – entstanden auf dem Reißbrett des jungen erst 27 jährigen Architekten.

      Irritierend ist, dass viele von Hänschs Bauten den Wettlauf gegen Abriss und Anpassung an zeitgenössische Standards verloren haben. Besonders hart traf ihn die Zerstörung des Mehrzwecksaals mit seiner Parkettsenkeinrichtung für die Auskernung des Kulturpalastes zum Umbau in Konzertsaal und Bibliothek. Der Architekt protestierte dagegen und kämpfte bis vor Gericht für seine Rechte – verlor aber gegen die Stadt. Bei einem gemeinsamen Schlendern von Hänsch mit dem Autor wenige Wochen vor seinem Tod über den Neumarkt: „… bis zum Altmarkt gehen wir nicht, dort schmerz’s zu sehr“. Die Substanzverluste – auch seine Webergasse musste der Altmarktgalerie weichen – und Veränderung bis Abriss vieler seiner Bauten, wie der Streit in der Stadt neues Konzerthaus versus Umbau des Kulturpalasts, belasteten die letzten Jahre Wolfgang Hänschs schmerzlich.
So war auch

     Niemand von der Stadt Dresden zur Feierstunde gekommen, einzig allein Thomas Löser(Grüne), der sagte „Ein offizieller Rathaus-Vertreter wäre angemessen gewesen“.

      Die Architektenkammer Sachsen mit der Stiftung Sächsischer Architekten als Nachlassverwalter von Wolfgang Hänsch sehen sich in Verpflichtung, Hänschs Lebensleistungen mit dieser Gedenktafel angemessen zu würdigen. Die künstlerische Anfertigung des Bronzereliefs übernahm der 81-jährige Bildhauer Peter Makolies „zur Ehrung meines Weggefährten“. Er hatte die Sandstein-Masken am Funktionsgebäude der Semperoper angefertigt. Architekturprofessor Leopold Wiel, Entwurfsverfasser des Kulturpalasts Dresden ehrte seinen langjährigen  Kollegen und Weggefährten Wolfgang Hänsch mit seiner Anwesenheit als 102-jähriger bei der feierlich langen Würdigungsstunde. (16.9.2018)


Fotos © Peter Bäumler, Jana Frommhold 1, Marco Dziallas 1
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