KRAFTWERK-MITTE Dresden

KWM1In ein Kulturquartier transformiert

Die ehemalige “Energiepumpe“ der Stadt Dresden wandelt sich zu einen außergewöhnlichen Kunst- und Kreativstandort. Seine exzellente Lage, der Charme historischer Industriearchitektur, Synergien und Kooperation wechselweise sind attraktiv für die Akteure verschiedenster Kulturbereiche. Früher unzugänglich sind Leben und Urbanität in das neue Quartier von vier Hektar Größe nahe der Altstadt eingekehrt. 

veröffentlich Sächsische Immobilienzeitung 2/2018, Seite 3

Gas, Wärme, Strom

      Im Jahr 39 des 19ten Jahrhunderts schon entstand am Rande der Altstadt Dresdens zunächst ein Gaswerk, das bis 1873 die Hauptlast der Gasversorgung für Licht und Wärme der wachsenden Stadt trug. Das 39.000 Quadratmeter umfassende Areal zwischen Wettiner Platz und Könneritzstraße diente seitdem den verschiedensten, stets erweiterten und zuletzt auf Braunkohle basierten Energiegewinnungsanlagen. Bis seine im früheren Maximum 32 Strom- und 110 Megawatt Wärme-Leistung für die Stadt im vierten Jahr nach der Wende 1994 abgeschaltet wurde. Die Innenstadt war von ihrer Drecksschleuder aus der Hauptwindrichtung befreit.

Kultur - Kunst - Kreativität

KWM3      Nach der Stilllegung als Kraftwerk setzten Diskussion und bald auch Initiativen ein für eine Umnutzung des Areals zu einem Kultur-Quartier verschiedener Akteure. Der damalige Oberbürgermeister Ingolf Roßberg schob 2005 dazu an, die Staatsoperette Dresden aus ihrem unzulänglichen Exil Dresden-Leuben in die Stadtmitte zu holen und sie gemeinsam mit dem Theater Junge Generation in einem Theatergebäude auf dem Kraftwerksgelände einzurichten. Die leergezogenen Gebäude und Flächen auf dem Gelände der Dresdner Stadtwerke boten sich für eine kulturelle Umnutzung an. Ihre erhaltenswerte Industriearchitektur verschiedener Epochen spiegelt aus architektonischer Sicht „einen Querschnitt durch die Architekturentwicklung vom Historismus bis zur Sachlichkeit“. Lediglich der markante hohe dreischiffige Hallenbau des Kesselhauses – Architekt Paul Wolf 1926-28, der von 1922 bis 45 Dresdner Stadtbaurat war – wurde, da sich weder eine Konzeption zur Wiedernutzung noch ein Investor finden ließ, obwohl geschütztes Denkmal, 2006 abgerissen. Die verbliebenen Gebäude des Kraftwerkareals sind mittlerweile einzeln eingetragene Kulturdenkmale.

Anker(mieter) Theater
      2011 entschied der Dresdner Stadtrat eine gemeinsame Spielstätte für die Staatsoperette Dresden und das Theater Junge Generation auf dem Kraftwerkgelände zu errichten. Die stadteigene Kommunale Immobilien GmbH (KID) erwarb den Grund aus dem Besitz der DREWAG Dresdner Stadtwerke GmbH, plante, baute und betreibt heute den Theaterbau. Zu dreiviertel Neubau setzt er, mit Gebäude- und Bühnentürmen, die das frühere Höhenniveau erreichen und seinen Backstein/CorTen-Stahl Fassaden, harmonisch zur Umgebung den Akzent „Industriearchitektur“. Beim Betreten des gemeinsamen Foyers beider Theater in der vormaligen Maschinenhalle umfängt den Besucher der Charme weitgehend belassener Technikdetails bis hin zur Wucht des Hakens eines früheren 65-Tonnen Laufkranes. Dahinter die großen Säle der Operette für 700 und des TjG für 350 Zuschauer, wie die kleineren Puppentheater- und Studiobühnen mit jeweils 125 Plätzen.

Kultur-Intiativen 
      Nach interimsweisen Veranstaltungen auf dem Gelände wie Filmball Titanic oder die Ausstellung der chinesischen Terrakotta-Armee lud die DREWAG 2006 die Öffentlichkeit erstmal in eine neue Dauereinrichtung auf ihrem Gelände, ihr Energiemuseum. Die Ausstellung zur Stromerzeugung und Geschichte der Wasser-, Gas- und Fernwärmerzeugung ist mit Exponaten und Sachzeugnissen aus über 100 Jahren bestückt.
     2014 konnte der Einzug des allerersten Kulturmieters in einen Trakt des Lichtwerks gefeiert werden. Die Hochschule für Musik erhielt ausgebaut dort auf fünf Etagen um einen hellen Lichthof 15 dringend benötigte Erweiterungsräume für Unterricht, Proben, Dozenten wie auch ein Computerkabinett und Instrumentenlager und sie mietet in Zukunft noch mehr. Inzwischen zählt die Drewag auch das Heinrich-Schütz-Konservatorium zu seinen Mietern und baut für beide Musikinstitutionen weitere Flächen aus im gleichen Haus, die in einem Zeithorizont bis 2021 bezogen werden. 
      Auch die Puppentheatersammlung der Staatlichen Kunstsammlungen wird nun endlich einangemessenes Heim, wofür in der Maschinenhalle des früheren Lichtwerks Podestebenen eingezogen werden. Auch dort bleiben alte Technik erhalten  sichtbar, Dampfkessel, Kräne.
      Jahre früher schon, hatte Dresdens bekannter Veranstalter Mirko Meinel im vormaligen Stromwerk Ecke Könneritz-/Schwerinerstraße seinen First Class Conzept Club für „Großparties“ eingerichtet. Er mietet das historische Großgebäude lediglich entkernt ohne jeglichen Ausbau.
      Anderen Orts des Quartiers, in der einstigen Heizzentrale vermietet neonworx office ab an kleinere Unternehmen der Kunst- und Kreativgewerbe und betreibt die „Kunsthalle“ für Ausstellungen und Veranstaltungen.
      Schließlich ist zu den bereits ins Kulturquartier gezogenen Akteuren die Heinrich-Boll Stiftung-Sachsen zu zählen, die ihren Sitz und Veranstaltungszentrum in der schmalen Ex-Trafohalle gefunden hat. 
      Nicht beziehungsweise noch nicht angepackt sind die Umnutzung der Häuser Reaktanz für Medienkulturzentrum Pentacon, Schaltanlage für weitere Projekte Kreativwirtschaft und die ehemalige Direktoren Villa für ein „Haus der Kulturen“ des Kulturreferats der Stadt. Innerstädtische Kinofreunde wird es freuen, dass das kultige Kino im Dach des Bernhard Reuther von Striesen mit zwei Sälen in das Haus des früheren Wasserspeichers ziehen wird, wenn auch erst 2021.

Speis, Trank, Tanz
KWM4      Dann und dort wird auch die „Kulturwirtschaft“, ein Bistro-Restaurant in originell barock/modernem Ambiente, eröffnen. Im Kopfbau des Lichtwerks richtet sich das Restaurant „Daniel“ mit Marktplatz ein. Auch eine Disko wird der Gastronom betreiben. Heute schon trifft man sich im Bistro Neue Sachlichkeit - und alltags an der Pforte im kleinen T1 Bistro-Cafe von von René Kuhnt an der Pforte das – unanfechtbar - zum Lieblings Espresso-Lokal des Autors wurde. 



      In die Umrüstung des Kraftwerk-Mitte zu einem „Kultur“-Kraftwerk investierte Drewag bisher 20 Millionen Euro, etwa 30 Millionen Euro werden für den weiteren Ausbau nach Generalmasterplan von 2013 benötigt. Die Wandlung zu einer Kulturstätte auch mit dem Logo KULTUR-KRAFTWERK werblich zu nützen war wegen markenrechtlicher Untersagung nicht möglich, er bleibt also KRAFTWERK-MITTE. (Bäu 3.5.2018)
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