Sächsische Akademie für Künste warnt vor Verlust des Kulturpalastes als Multifunktionsstätte

Dresden Braucht ein eigenständiges Konzerthaus

Sächsische Akademie für Künste warnt vor Verlust des Kulturpalastes als MultifunktionsstätteAlle Weltstädte haben für ihre Orchester Konzerthäuser, Tokio davon gleich 105. Und das mit 75 Tausend Einwohnern vergleichsweise kleine Luzern am Schweizer Vierwaldstätter See leistet sich seit 1998 ein Kulturzentrum mit einem der besten Konzertsäle der Welt, das mit eigenen, Gastspielen von Weltorchestern und Festivals jährlich 200 Tausend Besucher in die Stadt holt. So führte Professor Hartmut Haenchen bei der Podiumsdiskussion „Für ein neues Konzerthaus in Dresden“ ein, zu der die Sächsische Akademie der Künste am 15. Oktober 2009 in das Blockhaus eingeladen hatte.

für Sächsische Zeitung 17./18.10.2009, Seite 15

Musik in Dresden 17.10.2009       Professor Udo Zimmermann, Präsident der Sächsischen Akademie der Künste erklärte dazu: „Mit dem ganzen Gewicht der 141 Mitglieder sprechen wir uns für den Bau eines eigenständigen Konzerthauses an prominenter Stelle in Dresden für die beiden Spitzenorchester Staatskapelle und Philharmonie aus. Zugleich wenden wir uns gegen den Umbau des Kulturpalastes und warnen vor dem Verlust dieses Veranstaltungsortes als Multifunktionsstätte auch für Populärkultur.“

      Wolfgang Kil, Sekretär der Klasse Baukunst der Akademie, ergänzte, es sei ein Unding, die Substanz des Kulturpalastes zu opfern, denn nur vollständig, mit der markanten Außengestalt und innen behutsam restauriert bleibt er ein Kulturdenkmal aus der inzwischen als bedeutsam angesehenen Bauepoche der Nachkriegsmoderne. Das letzte Kulturhaus, sagte nach Abriss des Berliner Palastes der Republik, sagte Kil und das gilt es zu bewahren.

      Fakt ist, dass die Stadt nach dem Beschluss des Stadtrates im Juli 2008 emsig daran plant, den Festsaal zu einem reinen Konzertsaal nur für die Dresdner Philharmonie umzubauen - denn Fabio Luisi, Generalmusikdirektor der Staatskapelle, bekräftigte mehrmals, sein Orchester werde niemals dort spielen. Auch sollen das Kabarett Herkuleskeule und die Stadtbibliothek mit ins Haus ziehen. Für den Konzertsaal liegt auch schon ein Entwurf eines Architektenwettbewerbs der Preisträger Gerkan, Marg und Partner, Hamburg, vor. Dessen Akustik bedarf jedoch noch einer Vorprüfung und sie ist in der Ausführung mit Risiken behaftet.

      Über die Risiken sprach Professor Ulrich Bauch (Kaiser Baucontrol Ingenieurgesellschaft) der in einem Gutachten auf Umbaukosten mit Risikozuschlag von 85 Millionen Euro kommt. weitere 33 Millionen sind zu veranschlagen für eine adäquate Ersatzspielstätte für die ‚heitere Muse’, denn rund 80 Prozent solcher Veranstaltungen wären im umfunktionierten Kulturpalast nicht mehr möglich. Das bestätigte Veranstalter Bernd Aust in seinem emotionalen Redebeitrag „seit 40 Jahren spielen wir mit meiner Band Electra im Festsaal, nach dem Umbau wären wir aus dem Kulturpalast vertrieben“. Für eine Konzerthalle mit Kammermusiksaal errechnet Bauch 113 Millionen Euro einschließlich Grunderwerb. Für die Sanierung des zu erhaltenden multifunktionalen Kulturpalastes setzt er 30 Millionen an. Und nur ein Vergleich von Varianten mit gleichem Nutzungsgehalt, wie Bauch es sachlich nennt, ist reell.

      Ex-Baubürgermeister, Gunter Just, brachte den stadtbaulichen Gewinn ins Gespräch „mit einer Philharmonie in außergewöhnlicher, neuer Architektur die leuchtet, auf einer der vielen Brachen, die wir noch haben, sei es an der Elbe vis a vis Blockhaus, sei es am Postplatz. Das braucht Dresden für sein Image, nach außen, für den Tourismus - dringend“. Zwingend sei es auch, beiden Orchestern ein, ihrem Rang angemessenes und ihre Qualität steigerndes, Haus zu geben. Und damit auch den tradierten Musikruf Dresdens und Sachsens mit einer 460 Jahre durchgängig musizierenden Kapelle in Zukunft zu sichern.

      Beide Orchester unter einem Dach - Professor Wilfried Krätzschmar, Ex-Rektor der Hochschule für Musik Dresden setzte sich dafür ein. „Sie haben das in der Geschichte ja schon gehabt, Befindlichkeiten dürfen da keine Rolle spielen“ - verlangt das Zusammengehen der beiden Träger Stadt und Freistaat. Im Resümee des Podiums wie aus dem Publikum des vollbesetzten Saales ging daher auch quasi als Auftrag an die Akademie, die Oberbürgermeisterin der Stadt, die zuständige Landesministerin, die Orchestervorstände und die bürgerschaftliche Interessengruppe Konzerthaus schnellstens an einen Tisch zu bringen. 14 Tausend Dresdner haben schon für den Erhalt des Kulturpalastes in seiner jetzigen Nutzungsform gestimmt. Dresden braucht ein Konzerthaus.(Bäu)
Durch die weitere Nutzung dieser Webseiten stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.